Warum sich Medikamente im Lauf des Lebens ansammeln, welche Kombinationen problematisch werden können und warum kontrolliertes Absetzen genauso zur guten Medizin gehört wie Verschreiben.
Medizinisch geprüft von: Ärztliche Redaktion HLTHY · Zuletzt aktualisiert: 17.10.2026 · Lesezeit 13 Min. · HLTHY Redaktion

Fünf Medikamente können genau richtig sein. Drei können zu viel sein. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern ob jedes Medikament noch einen Nutzen hat.
Fünf, acht oder zwölf Medikamente täglich: Mit zunehmendem Alter und mehreren chronischen Erkrankungen ist das keine Seltenheit. Viele Medikamente können gleichzeitig nötig und sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn sich Nutzen und Risiken verschieben, Medikamente miteinander interagieren, Nebenwirkungen als neue Krankheiten gedeutet werden oder längst niemand mehr überprüft hat, warum ein Präparat überhaupt eingenommen wird.
Gute Medizin fragt deshalb nicht «Wie viele Medikamente nehmen Sie?», sondern: «Brauchen Sie jedes davon noch, in dieser Dosis, in dieser Kombination und für Ihr heutiges Therapieziel?»
«Ab fünf Medikamenten ist die Therapie schlecht.»
Nein. Fünf ist eine häufig verwendete Definition, aber keine Grenze zwischen guter und schlechter Medizin.
«Je weniger Medikamente, desto gesünder.»
Nein. Ein notwendiges Medikament abzusetzen kann deutlich gefährlicher sein als eine lange Medikamentenliste.
«Ältere Menschen sollten grundsätzlich weniger Medikamente erhalten.»
Nein. Sie sollten passendere erhalten. Manchmal heisst das absetzen, manchmal anders dosieren, manchmal ein fehlendes Medikament beginnen.
«Steht mein Medikament auf einer Warnliste, muss ich es sofort absetzen.»
Nein. Solche Listen markieren Medikamente für eine ärztliche Überprüfung, nicht automatisch einen Fehler.
«Pflanzliche Mittel und Supplements muss ich nicht erwähnen.»
Falsch. Auch sie können wirken und mit Medikamenten interagieren.
«Eine Nebenwirkung erkennt man sofort.»
Nein. Schwindel, Müdigkeit, Verwirrtheit oder Verstopfung werden oft dem Alter oder einer neuen Krankheit zugeschrieben.
«Deprescribing verlängert nachweislich das Leben.»
So pauschal nein. Es verbessert zuverlässig die Qualität der Medikation; bei harten Endpunkten sind die Daten uneinheitlich.
Eine weltweit einheitliche Definition gibt es nicht. Am häufigsten gilt: Polypharmazie ist die regelmässige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten gleichzeitig. Ab zehn Medikamenten spricht man teils von ausgeprägter Polypharmazie (Hyperpolypharmazie).
Eine systematische Untersuchung fand über 130 verschiedene Definitionen. Die reine Anzahl sagt deshalb nur begrenzt etwas darüber aus, ob eine Therapie gut oder schlecht ist.
Eine Person mit Herzschwäche, Vorhofflimmern, Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten kann problemlos sechs oder sieben Medikamente benötigen, die alle einen belegten Nutzen haben.
Eine andere Person nimmt vielleicht nur vier Medikamente, darunter aber ein nicht mehr benötigtes Schlafmittel, ein Medikament gegen die Nebenwirkung eines anderen, ein entzündungshemmendes Schmerzmittel trotz Nierenschwäche und ein Präparat ohne aktuelle Indikation. Diese zweite Medikation kann medizinisch problematischer sein.
Angemessen ist Polypharmazie, wenn mehrere Medikamente nötig, evidenzbasiert, aufeinander abgestimmt und regelmässig überprüft sind.
Problematisch wird sie, wenn mindestens ein Medikament:
Das Ziel ist nicht möglichst wenig Medikation. Das Ziel ist die richtige Medikation.
Sie nimmt vor allem mit dem Alter und der Zahl chronischer Erkrankungen zu. Ein Faktenblatt des BAG von 2022 verweist auf Schweizer Daten von 2016: Damals erhielten rund 50 % der Menschen über 65 Jahre mindestens fünf Medikamente. In Alters- und Pflegeheimen lag der Anteil bei über 85 %, mit durchschnittlich rund neun Medikamenten pro Person.
Diese Zahlen sind älter und keine aktuelle Erhebung, zeigen aber die Grössenordnung. Eine internationale Metaanalyse bestätigt, dass Polypharmazie bei älteren Menschen weltweit sehr häufig ist.
Polypharmazie entsteht selten durch einen einzelnen schlechten Entscheid, sondern Schritt für Schritt:
| Diagnose | Medikamente |
|---|---|
| Bluthochdruck | zwei Medikamente |
| Diabetes | zwei weitere |
| Herzinfarkt | drei weitere |
| Rückenschmerzen | ein Schmerzmittel |
| Schlafstörung | ein Schlafmittel |
| Sodbrennen | ein Säureblocker |
| Verstopfung | ein Abführmittel |
Jedes Medikament kann zu seinem Zeitpunkt sinnvoll gewesen sein. Das Problem entsteht, wenn immer wieder Medikamente hinzukommen, aber selten eines überprüft oder abgesetzt wird.
Dazu tragen auch mehrere behandelnde Ärztinnen und Ärzte, Spitalaufenthalte, Wechsel zwischen Hausarztpraxis und Fachpersonen, Bedarfsmedikamente, Selbstmedikation, rezeptfreie Präparate, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Produkte bei. Eine echte Medikationsanalyse umfasst deshalb mehr als die Liste im Praxiscomputer.
Nennen Sie alles, was Sie regelmässig oder gelegentlich einnehmen oder anwenden:
Auch Alkohol kann mit bestimmten Medikamenten relevant interagieren. Das BAG weist besonders bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, Opioiden und anderen zentral wirksamen Medikamenten darauf hin.
Ein Medikament, das mit 55 Jahren gut vertragen wurde, muss mit 80 nicht dieselbe Wirkung haben. Mit dem Alter können sich verändern:
Dieselbe Dosis kann dann häufiger zu Blutdruckabfall beim Aufstehen, Stürzen, Verwirrtheit, Störungen der Blutsalze oder Unterzuckerung führen. Das BAG hält ausdrücklich fest, dass ältere Menschen empfindlicher auf Schlaf- und Beruhigungsmittel reagieren und dadurch vermehrt Gedächtnis- und Gleichgewichtsstörungen sowie Knochenbrüche auftreten können.
Nicht, weil Medikament Nummer sechs automatisch gefährlich wäre. Sondern weil mit jeder weiteren Substanz die Zahl möglicher Wechselwirkungen zwischen Medikamenten, Wechselwirkungen mit Erkrankungen, Einnahmefehler, Doppelverordnungen und Nebenwirkungen zunimmt.
Systematische Übersichtsarbeiten zeigen Zusammenhänge zwischen Polypharmazie und unerwünschten Arzneimittelereignissen, Spitaleinweisungen, funktionellen Einschränkungen und Sterblichkeit. Ein Teil davon geht allerdings auf die zugrunde liegenden Erkrankungen und Gebrechlichkeit zurück. Ein Zusammenhang heisst nicht automatisch, dass die Medikamente selbst das ganze Risiko verursachen.
Bei einer Wechselwirkung beeinflussen sich zwei oder mehr Substanzen gegenseitig.
Pharmakodynamisch: Zwei Medikamente haben ähnliche Wirkungen im Körper, die sich addieren. Zum Beispiel dämpfen ein Opioid und ein Benzodiazepin beide das Nervensystem und die Atmung. Ein Blutverdünner und ein entzündungshemmendes Schmerzmittel erhöhen zusammen das Blutungsrisiko. Mehrere blutdrucksenkende Mittel können gemeinsam einen zu tiefen Blutdruck verursachen.
Pharmakokinetisch: Ein Medikament verändert Aufnahme, Abbau, Transport oder Ausscheidung eines anderen, etwa über die CYP-Enzyme der Leber.
Nicht jede elektronische Interaktionswarnung ist klinisch relevant. Die Aufgabe von Ärztin, Arzt oder Apotheke ist es, die tatsächliche Bedeutung zu beurteilen.
| Kombination | Mögliches Risiko |
|---|---|
| ACE-Hemmer oder Sartan + Entwässerungsmittel + entzündungshemmendes Schmerzmittel («Triple Whammy») | akute Nierenschädigung, besonders bei Flüssigkeitsmangel |
| Mehrere dämpfende Medikamente, z. B. Opioid, Benzodiazepin, Schlafmittel, sedierendes Antidepressivum, Gabapentinoid | Schläfrigkeit, Stürze, teils Atemdämpfung |
| Mehrere QT-verlängernde Medikamente | gefährliche Herzrhythmusstörungen bei zusätzlichen Risikofaktoren |
| Mehrere anticholinerge Medikamente | addierte anticholinerge Last |
Viele Medikamente haben zusätzlich zu ihrer Hauptwirkung anticholinerge Eigenschaften. Dazu gehören je nach Wirkstoff bestimmte Antidepressiva, Antipsychotika, Medikamente gegen eine überaktive Blase, ältere Antiallergika, einige Parkinson-Medikamente und Mittel gegen Übelkeit.
Anticholinerge Wirkungen können unter anderem verursachen: Mundtrockenheit, Verstopfung, Probleme beim Wasserlösen, Sehstörungen in der Nähe, Herzrasen, Gedächtnisprobleme, akute Verwirrtheit (Delir) und Stürze.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit insgesamt über 270'000 älteren Menschen fand durchgehend einen Zusammenhang zwischen höherer anticholinerger Belastung und erhöhtem Sturzrisiko, vor allem bei mittlerer bis hoher Belastung.
Es gibt verschiedene Skalen zur Berechnung dieser Belastung, und sie stimmen nicht immer überein. Ein Score ersetzt deshalb keine ärztliche Beurteilung.
Einer der wichtigsten Mechanismen hinter problematischer Polypharmazie ist die Verschreibungskaskade:
Statt Medikament A zu überprüfen, wächst die Liste. Typische Muster sind ein Medikament, das Knöchelschwellungen verursacht und mit einem Entwässerungsmittel behandelt wird, ein Medikament, das Schwindel auslöst und ein weiteres Mittel gegen Schwindel nach sich zieht, oder ein Medikament, das zu Verstopfung führt und ein dauerhaftes Abführmittel erfordert.
Das zweite Medikament ist nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist die Frage: Ist das neue Symptom vielleicht eine Nebenwirkung einer bestehenden Therapie? Eine Übersichtsarbeit von 2026 bestätigt, dass Verschreibungskaskaden weiterhin häufig übersehen werden.
Bei älteren Menschen gehört die Medikamentenliste besonders bei neu aufgetretenen Beschwerden auf den Prüfstand, etwa bei:
Eine neue Diagnose ist nicht immer die Ursache eines neuen Symptoms. Manchmal ist es die Therapie einer alten Diagnose.
Fachleute sprechen von potenziell inadäquaten Medikamenten (PIM). Gemeint sind Medikamente, bei denen bei bestimmten älteren Menschen das Risiko den Nutzen übersteigen kann, besonders wenn es bessere Alternativen gibt. Das Wort «potenziell» ist entscheidend: Ein PIM ist nicht automatisch ein Fehler und kann im Einzelfall trotzdem sinnvoll sein.
International verbreitet sind die STOPP/START-Kriterien. STOPP hilft, Medikamente zu erkennen, die möglicherweise nicht mehr sinnvoll oder riskant sind. START prüft das Gegenteil: Fehlt möglicherweise eine sinnvolle Therapie? Gute Optimierung heisst also nicht nur absetzen; manchmal muss ein Medikament hinzukommen. Die aktuelle Version 3 wurde 2023 publiziert.
Die amerikanischen Beers-Kriterien sind ein weiteres bekanntes Instrument, aktuell in der Version von 2023. Für die Schweiz sind sie nicht eins zu eins übertragbar, weil Zulassungen und verfügbare Medikamente zwischen Ländern variieren. Die europäischen STOPP/START-Kriterien passen häufig besser zu unserer Versorgung.
Nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil sich Nutzen und Risiken mit der Zeit verschieben können:
| Medikamentengruppe | Typische Fragestellung |
|---|---|
| Benzodiazepine und verwandte Schlafmittel | Schläfrigkeit, Abhängigkeit, Sturzrisiko |
| Opioide | Schläfrigkeit, Verstopfung, Stürze, Atemdämpfung |
| Anticholinerge Medikamente | Gedächtnis, Delir, Verstopfung, Wasserlösen |
| Antipsychotika | Indikation, Dauer, neurologische und Stoffwechselrisiken |
| Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) | Niere, Blutdruck, Blutungen, Herzschwäche |
| Blutverdünner | Blutungsrisiko gegenüber Schutz vor Thrombose und Schlaganfall |
| Insulin und Sulfonylharnstoffe | Risiko für Unterzuckerung |
| Blutdrucksenker | Blutdruckabfall beim Aufstehen, Nierenfunktion, Zielwerte |
| Säureblocker (PPI) | Besteht der ursprüngliche Grund für die Langzeiteinnahme noch? |
| Entwässerungsmittel | Flüssigkeitshaushalt, Blutsalze, Nierenfunktion |
Die Frage lautet dabei nie pauschal «absetzen?», sondern: Besteht weiterhin eine Indikation, und ist das noch die beste Dosierung und Therapie?
Deprescribing ist das geplante, ärztlich begleitete Reduzieren oder Absetzen eines Medikaments, wenn der erwartete Nutzen geringer geworden ist als der mögliche Schaden oder das Medikament nicht mehr zu den Therapiezielen passt. Es ist ein medizinischer Prozess, nicht «Sie nehmen zu viele Tabletten, lassen Sie drei weg».
Ein Medikament zur Linderung von Beschwerden kann innert Stunden oder Tagen helfen. Der Nutzen mancher vorbeugender Therapien entsteht dagegen erst über Jahre. Bei ausgeprägter Gebrechlichkeit, fortgeschrittener Erkrankung oder begrenzter Lebenserwartung kann sich das Verhältnis zwischen dieser Zeit bis zum Nutzen (Time to Benefit) und unmittelbaren Nebenwirkungen verschieben. Das ist keine Frage von «zu alt für Medikamente», sondern eine persönliche Abwägung von Nutzen und Risiko.
Nein. Manche Medikamente können sofort abgesetzt werden, andere müssen schrittweise reduziert werden. Ein plötzlicher Stopp kann bei bestimmten Wirkstoffen gefährlich sein, etwa bei:
Ändern Sie dauerhaft eingenommene Medikamente nie eigenständig, auch nicht, wenn sie auf einer Warnliste stehen. Besprechen Sie jede Änderung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medikamente lassen sich häufig sicher reduzieren. Der Nachweis grosser Verbesserungen bei harten klinischen Endpunkten ist aber weniger eindeutig.
Eine Übersicht von 48 systematischen Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Deprescribing relativ zuverlässig die Zahl der Medikamente und der potenziell ungeeigneten Medikamente senkt und die Qualität der Medikation verbessert. Für Sterblichkeit, Spitaleinweisungen, Stürze oder Lebensqualität sind die Ergebnisse uneinheitlich. Eine grosse Metaanalyse von 2024 mit 259 Studien fand in randomisierten Studien insgesamt keine signifikante Senkung der Sterblichkeit, aber Hinweise auf Vorteile bei individuell angepassten Interventionen und bestimmten Patientengruppen.
Eine Schweizer cluster-randomisierte Studie untersuchte 609 Spitalpatientinnen und -patienten ab 60 Jahren, die im Durchschnitt fast zehn Medikamente einnahmen. Eine strukturierte Medikationsüberprüfung plus bessere Kommunikation zwischen Spital und Hausarztpraxis senkte die erneuten Spitaleinweisungen innert sechs Monaten nicht signifikant. Es braucht also klinischen Kontext, die Präferenzen der Betroffenen, Verlaufskontrollen, gute Kommunikation und eine klare Verantwortung.
In der randomisierten D-PRESCRIBE-Studie erhielten ältere Menschen mit potenziell ungeeigneten Medikamenten, gemeinsam mit ihren Ärztinnen und Ärzten, strukturierte Informationen durch Apothekerinnen und Apotheker. Nach sechs Monaten hatten 43 % in der Interventionsgruppe das problematische Medikament nicht mehr bezogen, gegenüber 12 % in der Standardversorgung.
Deprescribing ist kein Wundermittel. Sein Ziel ist eine sicherere und passendere Medikation, gemeinsam entschieden.
Besonders sinnvoll ist eine Überprüfung:
In Schweizer Apotheken gibt es zudem den Polymedikations-Check, den pharmaSuisse bereits ab vier Medikamenten empfiehlt.
Mehr Medikamente bedeuten nicht automatisch bessere Medizin. Weniger Medikamente aber auch nicht.
Eine gute Medikamententherapie berücksichtigt Diagnosen, Therapieziele, Alter und Organfunktion, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen, Alltag und Lebensqualität sowie die Frage, ob ein Medikament heute noch gebraucht wird.
Wenn Sie mehrere Medikamente einnehmen, bringen Sie zur hausärztlichen Konsultation alle Packungen oder eine vollständige Liste mit, auch rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Ziel ist nicht, möglichst viel abzusetzen, sondern jedes Medikament begründen zu können.
Jedes Medikament sollte einen Grund haben. Und dieser Grund sollte regelmässig überprüft werden.
| Marker | Bedeutung |
|---|---|
| A | Leitlinie, systematische Übersichtsarbeit oder Metaanalyse |
| B | Randomisierte oder kontrollierte klinische Studie |
| C | Beobachtungsstudie, Expertenkonsens oder klinisches Instrument |
| M | Pharmakologische oder mechanistische Evidenz |
HLTHY-Evidenzklassifikation zur Orientierung; keine formale GRADE-Bewertung.
Meist versteht man darunter die regelmässige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten gleichzeitig. Eine einheitliche Definition gibt es nicht; ab zehn Medikamenten spricht man teils von ausgeprägter Polypharmazie.
Eine feste Grenze gibt es nicht. Fünf Medikamente können genau richtig sein, drei können zu viel sein. Entscheidend ist, ob jedes Medikament eine klare Indikation hat, richtig dosiert ist und zu den anderen passt.
Nein. Manche Medikamente, etwa Benzodiazepine, Kortison nach längerer Einnahme, bestimmte Antidepressiva oder Betablocker, dürfen nicht abrupt gestoppt werden. Besprechen Sie jede Änderung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Das geplante, ärztlich begleitete Reduzieren oder Absetzen eines Medikaments, wenn der erwartete Nutzen geringer geworden ist als der mögliche Schaden oder es nicht mehr zu den Therapiezielen passt.
Ein Medikament verursacht eine Nebenwirkung, diese wird als neue Erkrankung gedeutet und mit einem weiteren Medikament behandelt. So wächst die Medikamentenliste, statt dass das ursprüngliche Medikament überprüft wird.
Viele Medikamente haben neben ihrer Hauptwirkung anticholinerge Eigenschaften. Diese addieren sich und können bei älteren Menschen Mundtrockenheit, Verstopfung, Verwirrtheit und Stürze begünstigen.
Ja. Auch sie können pharmakologisch wirken und mit Medikamenten interagieren. Dasselbe gilt für rezeptfreie Schmerzmittel, Tropfen, Inhalatoren und Bedarfsmedikamente.
Zum Beispiel bei fünf oder mehr regelmässigen Medikamenten, nach einem Spitalaufenthalt, nach Stürzen, bei neuer Verwirrtheit oder Schwindel, bei veränderter Nierenfunktion oder wenn unklar ist, wofür ein Medikament eingenommen wird.
So pauschal nicht. Es verbessert relativ zuverlässig die Angemessenheit der Medikation. Für Sterblichkeit, Spitaleinweisungen oder Stürze sind die Studienergebnisse uneinheitlich.
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